Beim Lesen „Das orange Mädchen“ drängt plötzlich mich das Gefühl, etwas auf Deutsch zu schreiben.
Zunächst muss ich sagen, dass ich furchtbar gerne schreib‘. Schon immer, seit ich ein Kind war. Es liegt zum Teil daran, dass ich beim Schreiben mit den Worten viel besser umgehen kann. Ich halte mich nicht für einen besonders schlagfertigen Menschen, aber beim Schreiben tanzen die Worten unter meiner Hand, und schmelzen, und berühren.
Der andere Grund ist aber, dass wir, Vietnamesen, Asiaten, nicht gewöhnt sind, die liebesvollen Worte, sogar nicht einmal das normale Gefühl, direkt auszudrücken. Wir sagen nicht zueinander, ich hab dich lieb. Die Eltern sagen sogar selten zu ihren Kindern, ich liebe dich. Die Eltern küssen uns, als Kinder, nicht auf der Stirn, bevor wir ins Bett gehen. Die alle sind einfach nicht asiatisch. Keine Ahnung, woher es kommt, aber ich sehne mich danach. Das Problem ist, glaub mir, wenn man lebenslang so verhält, wenn alle Leute herum dich nie so was Direktes machen, dann kannst du ebenfalls auch nicht. Es würde komisch vorkommen, wenn ich meinen besten Freund umarme, und sag, ich hab dich lieb. Verdammt noch mal, ich möchte nur so gerne meinen besten Freund umarmen und ihn sagen, dass ich ihn lieb‘. Was ist so komisch daran, kannst du mir eine Antwort geben?
Ich kann selber eben keine Antwort finden. So schreibe ich, denn dann ist es wiederum ganz normal. Ich schreibe Gedichte, Novelle, Briefe, die und da. Ich hole alle Worten, die ich nur zu gerne direkt sage, und schreib‘. Und dann sagt jemand, wenn er durchliest, fühlt er sich so friedlich und wohl. Und er lächelt. Und glücklich finden. Sag mal, was macht einem noch mehr glücklicher als alle die zu hören. Meine Worte machen die Leute glücklich, und ich bin eben glücklich. Ist es nicht wundervoll?
So schreibe ich von Tagen zu Tagen, von Jahr zum Jahr, für jemanden oder für alle. Die Sache ist nur, ich schreibe bisher eigentlich nur in meiner Muttersprache. Ich traue mich nicht, in Deutsch zu schreiben, denn dann kann es vielleicht nicht so gut klingen, wie ich wünsch‘. Vielleicht berühren meine deutschen Worte die Leute nicht mehr, denn die und dort sind Fehler. Denn ab und zu fehlen mir die Worte. Denn ich beherrsche die Sprache noch nicht so.
Ich, eine süchtige Schreiber, erschüttere zu schreiben. Kannst du dir es mal vorstellen? Mir ist es fast schmerzhaft, fast komisch, fast ungewöhnlich, fast unertragbar, als ich daran denk‘. Aber ich erschüttere.
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Dann lese ich „Das orange Mädchen“. Das ist zunächst einmal ein wundervolles Buch. Nun will ich schließlich zurück zu dem ersten Punkt von diesem Beitrag: mich drängt plötzlich das Gefühl, etwas auf Deutsch zu schreiben. Ich will damit nicht sagen, dass allein dieses Buch dazu beigetragt hat. Nein, auf jeden Fall nicht. Es ist auch schon lange her, ich bin inzwischen schon vier Jahren in Deutschland, hab‘ so viele Bücher auf Deutsch gelesen, hab‘ mehrere Hausarbeiten geschrieben, hab‘ in der letzten Zeit sogar kaum Vietnamesisch gesprochen. Vielleicht ist es einfach so: Ich traue mir nun ein bisschen mehr, so beginne ich und schreib‘.
Man kann doch nur Fortschritte machen, wenn man erst beginnt, nicht wahr? Deswegen fange ich jetzt an, dann kann ich auch weiter gehen, mich verbessern. So, mit noch mehr und mehr Anstrengungen, können meine deutschen Worte irgendwann mal das Herzen der Leute wieder mal wirklich berühren, wie meine vietnamesischen. Ich strenge mich an.
und wann schreibst du weiter? :)
AntwortenLöschenDemnächst, Süße :)
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